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Lützellinden ist der südlichste Stadtteil der Universitätsstadt Gießen und hat rund 2400 Einwohner (Stand Juni 2011). Die Gemarkung umfasst ein Gebiet von 890,8 ha und stellt damit 12,3 % des Gießener Stadtgebietes dar. Geografisch zählt der Ort zum Hüttenberger Land.

Geschichte Bearbeiten

Lützellinden wurde vermutlich um 800 gegründet und war viele Jahrhunderte lang eine reiche Bauerngemeinde. Noch immer gibt es dort einige landwirtschaftliche Betriebe.

1333 fiel die Westhälfte der ehemaligen Grafschaft Gleiberg mit Lützellinden an die Grafen von Nassau-Weilburg. Mit der Annexion des Herzogtums Nassau durch Preußen im Jahre 1866 kam Lützellinden an Preußen.

Geschichtlich war Lützellinden immer in Richtung Wetzlar orientiert. Politisch zählt der Ort erst seit 1979 – nach Auflösung der Stadt Lahn – zu Gießen. Zuvor gehörte Lützellinden zum damaligen Landkreis Wetzlar. Die geschichtliche Verbundenheit mit Wetzlar ist auch heute noch sichtbar. Sie manifestiert sich unter anderem in der Zugehörigkeit Lützellindens zur Evangelischen Kirche im Rheinland und zum Bistum Limburg, während alle anderen Teile Gießens zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau bzw. dem Bistum Mainz gehören.

Weitere Besonderheiten Lützellindens: Es existieren noch viele, im Zustand allerdings unterschiedlich erhaltene, für die Dörfer des Hüttenbergs typische alte Fachwerk-Hofreiten mit hohen Hoftoren aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Eines der ältesten Hoftore befindet sich in der Lindenstraße 19; es ist mit AD 1699 bezeichnet. Der Stolz alter Häuser und die Handwerkskunst der alten Werkmeister ist aber nicht nur an den Vorderseiten des Eichenfachwerks, wie z.B. des Adam-und-Eva-Hauses in der Schulstraße sichtbar, sondern setzt sich bis in die Hofseiten der Fachwerkreiten fort. Bis vor einigen Jahren gab es noch eine Anzahl ausschließlich Tracht-tragender Frauen. Auch wird noch heute „Platt“ (Hüttenberger Dialekt) gesprochen. Zeitweise wird im Backhaus noch mit Holz geheizt, um das herkömmliche Roggenbrot zu backen.

Am 1. Januar 1977 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde im Zuge der hessischen Gebietsreform ein Teil des Stadtbezirks Dutenhofen der neugegründeten Stadt Lahn. Bei deren Auflösung am 1. August 1979 wurde Lützellinden dann der Stadt Gießen zugesprochen.[1]

Politik Bearbeiten

Ortsbeirat Bearbeiten

Bei der Wahl zum Ortsbeirat ergab sich für die Wahlperiode 2011 - 2016 folgende Sitzverteilung:

Parteien und Wählergemeinschaften Anteil in % Sitze
BFL Bürger für Lützellinden 44.44 4
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 22.22 2
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 33.33 3
gesamt 100,0 9

Ortsvorsteher Bearbeiten

Ortsvorsteher ist Rolf Krieger (SPD).

Infrastruktur Bearbeiten

Der Stadtteil ist über die Stadtbuslinie 1 mit der Kernstadt Gießen verbunden. Im Ort gibt es fünf Haltestellen.

Lützellinden ist zudem direkt erreichbar über die Anschlussstelle Gießen-Lützellinden der Bundesautobahn 45 (Aschaffenburg-Dortmund), welche am südlichen Gemarkungsrand verläuft.

Es existiert ein Flugplatz (Sonderlandeplatz, ICAO-Code EDFL), der für Motorsegler, Segelflugzeuge und Helikopter verschiedener Gewichtsklassen und auch für Fallschirmspringer zugelassen ist. Nicht verbunden mit dem Flugplatz ist das benachbarte Funkfeuer GIN einer internationalen Luftstraße.

Naherholung Bearbeiten

Von Lützellinden aus können per Radweg die Gießener Stadtteile Allendorf und Kleinlinden erreicht werden. Abseits der Hauptverkehrsstraßen lassen sich über betonierte Feldwege die Orte Wetzlar-Münchholzhausen, Wetzlar-Dutenhofen, Hüttenberg-Hochelheim und Linden Großen-Linden erreichen. Um mit dem Fahrrad nach Hüttenberg-Rechtenbach zu gelangen muss teilweise eine öffentliche Straße genutzt werden. Im oberen Feld kann man die drei alten Feldlinden und die 1968 gefasste Lindbachquelle in der Nähe des Flugplatzes per Feldweg gut erreichen. Durch den an der Wetzlarer Gemarkung angrenzenden Lützellindener Wald gelangt man, auf breitem Waldweg, vorbei an der Deck Aich, zum Aussichtstürmchen Stoppelberg (im Wetzlarer Wald gelegen). Im unteren Feld gelangt man an der ehemaligen Gemeinschaftsmühle Luhmühle vorbei Richtung Grube Fernie in der Gemarkung Linden und kann auf schmalem Weg einen idyllischen See umrunden.

Einrichtungen in angrenzenden Ortschaften: Freibäder in Gießen-Kleinlinden und Großen-Linden, Hallenbad in Hüttenberg-Hochelheim, Badesee in Wetzlar-Dutenhofen, Tennis- und Squashhalle in Großen-Linden.

Sport Bearbeiten

Überregional bekannt wurde das Dorf durch die Erfolge der Frauenhandball-Mannschaft des TV Lützellinden, die sieben Mal Deutscher Meister sowie 1991 Europapokalsieger wurde. Aufgrund wirtschaftlicher Probleme wurde die Mannschaft 2004 jedoch vom Bundesliga-Spielbetrieb ausgeschlossen. Nachdem dem Meister der Regionalliga Süd-West 2004/2005 aus wirtschaftlichen Gründen die Lizenz für die 2. Bundesliga in der Saison 2005/2006 verweigert wurde, löste der Verein die ehemals so erfolgreiche 1. Frauenmannschaft auf.

Erfolgstrainer Jürgen Gerlach konnte in der Saison 2005/2006 mit der weiblichen A-Jugend die vorläufig letzte Deutsche Meisterschaft für den Verein erringen. Doch im Oktober 2006 wurde der Verein von der Mehrheit seiner Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung aufgelöst. Im Anschluss an die Auflösung wurde der TSV 2006 Lützellinden gegründet.

Kultur Bearbeiten

Zu den Denkmälern des Stadtteils siehe Liste der Kulturdenkmäler in Lützellinden.

Museen Bearbeiten

  • Heimatmuseum im ehem. Rathaus (heute Verwaltungsaußenstelle), Öffnungszeiten: jeden zweiten Sonntag im Monat, mit laufenden Sonderausstellungen. Im Heimatmuseum werden Dinge des täglichen Lebens und Arbeitens im Dorf gezeigt. Ein großer Teilbereich der Ausstellung widmet sich der Hüttenberger Tracht. Das Museum wurde im Jahre 1997 gegründet.

Vereine und Gruppen Bearbeiten

  • AERO-CLUB Lützellinden (Motorflug)
  • BS Fidelio e.V. (Burschenschaft)
  • Lützellindener Carnevalsverein 1962 e.V.
  • CVJM Lützellinden e.V. (Christlicher Verein Junger Menschen)
  • Heimatverein Lützellinden (Aktivitäten und Heimatmuseum im Rathaus)
  • Der Landfrauenverein (Landfrauen Hüttenberg-Lützellinden)
  • Lüli RedEars (SkiClub)
  • SV Lützellinden 1969 e.V. (Schützenverein)
  • TSV 2006 e.V. (Turn- und Sportverein)
  • Freiwillige Feuerwehr Gießen-Lützellinden

Besondere Ereignisse Bearbeiten

Am 28. September 1980 war Lützellinden Ausgangspunkt für ein bislang weltweit einmaliges Ereignis. Jaromir Wagner, damals 41 Jahre alt, flog auf der Tragfläche eines zweimotorigen Flugzeuges (Britain Norman Islander BN 2) stehend nach New York (USA). Diese Leistung führte zu einem Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. Die reine Flugzeit betrug 46 Stunden mit Landungen in Island, Grönland und Kanada; der Flug führte über die legendäre Nordatlantikroute, teils bei Temperaturen bis -40 °C. Der Pilot Holger Groth und sein Copilot Alwin Lang führten den spektakulären Flug als Sichtflug ohne Autopilot und das heutige GPS-System durch. Abschließend erfolgte ein Rundflug um Manhattan und die Freiheitsstatue. Der Rekord ist bis heute noch nicht überboten worden.[2]

Literatur Bearbeiten

  • Günter Hans, Beiträge zur Geographie, Geschichte und Kultur von Lützellinden - 1200 Jahre Lützellinden 790-1990, Magistrat der Universitätsstadt Gießen, 1990
  • Karlheinz Lang: Universitätsstadt Gießen. Reihe: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. (Hg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen) Vieweg, Braunschweig / Wiesbaden 1993, ISBN 3-528-06246-0

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Modul:DateTime:1133: attempt to call method 'callParserFunction' (a nil value)
  2. www.time.com – kurzer Bericht des Time Magazines zu Jaromir Wagners Flug über den Atlantik (in englisch)


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